Interview zum Thema “Autofreie Innenstädte”

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Wie stehen Sie zu dem Vorschlag, künftig Dieselfahrzeuge aus Innenstädten komplett zu verbannen?

Komplett-Verbote halte ich für Komplett-Unsinn! Wir benötigen die Umsetzung neuester technischer Standards und Methoden, um des Schadstoffproblems Herr zu werden. Es ist keine Lösung, Dieselfahrzeuge aus den Innenstädten zu verbannen. Vor allem die Politik muss hier dringend Planungssicherheit schaffen – und die ist hier nicht gegeben; vielmehr wäre die angesprochene Regelung für Dieselfahrzeuge ein Schlag ins Gesicht für alle, die noch im Jahr 2015 einen Euro-5-Diesel gekauft haben.

 

Was halten Sie von dem Vorschlag der SPD und der Grünen, die Innenstädte komplett “autofrei” zu gestalten? Wäre dies Ihrer Ansicht nach auch eine Idee, die man im Helmstedt in Betracht ziehen sollte?

Auch hier finde ich: Komplett-Verbote sind kompletter Unsinn, diese rot-grüne Idee halte ich für völlig überzogen! Autofahren darf nicht verteufelt oder verboten werden. Im Gegenteil: diese Art der Mobilität brauchen wir in einer flexiblen und modernen Gesellschaft, auch unter demografischen Gesichtspunkten. Neben der Nutzung neuer technischer Möglichkeiten für den Autoverkehr bin ich allerdings auch dafür, den ÖPNV, das Carsharing und das Radfahren in den Städten so attraktiv wie möglich zu gestalten – umso mehr Menschen werden diese Art von Mobilität auch gerne nutzen, zumal bei der jüngeren Generation das eigene Auto kein Prestigeobjekt mehr ist. Und gerade in Kleinstädten wie Helmstedt sollten sich die Bürger/innen bewusst sein, dass auch – neben dem Zufußlaufen – das Taxifahren eine durchaus attraktive Alternative gegenüber den Kosten für ein (Zweit-)Auto darstellen kann.

 

Welche Vor- und Nachteile sehen Sie, wenn die Helmstedter Innenstadt “autofrei” werden würde?

Gegenüber der jetzigen Regelung sehe ich für Helmstedt keinerlei Vorteile, zumal wir gar keine Notwendigkeit für eine solche Einschränkung der individuellen Mobilität haben. Hingegen würde die Innenstadt einen massiven Frequenzverlust erleben, da sehr viele Menschen einfach gerne mit dem Auto in unsere Innenstadt fahren. Mit einem Autoverbot für die Innenstadt würde man auch einen grundsätzlichen, strukturellen Nachteil per Gesetz „verordnen“, was die Erreichbarkeit von Handel, Gastronomie und allen anderen Unternehmen in der Innenstadt anbetrifft – und das geht gar nicht! Es reicht schon, wenn Gewerbetreibende in der Innenstadt gegenüber der „Grünen Wiese“ am Stadtrand benachteiligt werden, was die Vorschriften bezüglich der Bereitstellung von Parkplätzen anbetrifft. Darüber hinaus: Um möglichst gute und umweltfreundliche Alternativen anzubieten, bin ich dafür, das Radfahren innerhalb der Stadt zu fördern und die finanziellen Sondermittel des RGB auch für unseren ÖPNV (Helmstedt ist Mittelzentrum!) einzusetzen, um das Busangebot innerhalb der Stadtgrenzen und im Landkreis attraktiver zu gestalten.

 

Die Fragen stellte Eva Sorembik von regionalheute.de, beantwortet wurden sie von Petra Schadebrodt.